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Der 2. Brennpunkt fand am 14.04.2010 an der Universität Wuppertal statt. Nachfolgend finden Sie einige Auszüge aus dem Fazit der Veranstaltung, dass sie am Seitenende in voller Länge zum Download finden.

Fazit des 2. Brennpunkts

Erneut stellte die BERGISCHE UNIVERSITÄT WUPPERTAL ihre Rolle als sicherheitswissenschaftlicher Partner der Feuerwehr sowie ihr Potenzial für die Bergische Region unter Beweis, indem sie in Kooperation mit der FEUERWEHR WUPPERTAL und mit Unterstützung der Gesellschaft für Sicherheitswissenschaft (GfS e.V.) ein hochinteressiertes Fachpublikum am Mittwoch, dem 14. April 2010 zum II. Brennpunkt unter dem Titel "Feuerwehr und Arbeitsschutz - Notwendigkeit oder Unmöglichkeit?" an den Campus Freudenberg einlud.

Rund 100 Teilnehmer von Feuerwehren, der Unfallkasse NRW, des Instituts der Feuerwehr NRW, Feuerwehrverbänden und Studierenden der Sicherheitstechnik folgten der Einladung und beteiligten sich engagiert an dem Themenabend.

Das Diskussionsforum ?Brennpunkt? wurde im vergangenen Jahr zu dem Zweck ins Leben gerufen, jenseits von Sachzwängen oder Gremienzwecken aktuelle Themen mit Bezug zur Sicherheit sachlich-objektiv und interkollegial diskutieren zu können. Als Schirmherren und Moderatoren der Veranstaltung engagieren sich Univ.-Prof. Dr.-Ing. Uli Barth, Lehrstuhl Methoden der Sicherheitstechnik/Unfallforschung, und Ltd. BD Dipl.-Chem. Siegfried Brütsch, Leiter der Feuerwehr Wuppertal.

Im Rahmen des II. Brennpunkts wurde die Thematik des Arbeitsschutzes bei der Feuerwehr bzw. der ?Einsatzsicherheit? aufgegriffen und aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet.

Herr Brütsch begrüßte zunächst die Teilnehmer und unterstrich die besondere Möglichkeit zum Informationsaustausch, die der Brennpunkt bietet. In diesem Zusammenhang wies Hr. Brütsch auch auf die immense Bedeutung des Informationsaustausches zwischen Forschung und Anwendung hin. Beispielhaft dafür nannte er die sehr gute Zusammenarbeit zwischen dem Wuppertaler Lehrstuhl und der Feuerwehr Wuppertal. Hr. Brütsch ermunterte alle Beteiligten, diese Kooperation auch zukünftig zu unterstützen und weiter auszubauen. Nach der Begrüßung führte Dr. h.c. Klaus Schneider (ehem. Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht, Präsident des Verbandes der Feuerwehren (VdF) NRW und Lehrbeauftragter an der Universität Wuppertal) in die Thematik ein. Er beleuchtete den rechtlichen Hintergrund des Arbeitsschutzes bei der Feuerwehr aus der Sichtweise des Juristen. Dabei zeigte er zu Beginn seines Vortrages auf, welche Vielfalt von unterschiedlichen gesetzlichen und untergesetzlichen Regelungen für Arbeitnehmer, also in diesem Zusammenhang v. a. Feuerwehrbeamte und hauptamtliche Feuerwehrangehörige, zur Anwendung kommen und beachtet werden müssen.

Darüber hinaus stellte Dr. Schneider auch den rechtlichen Rahmen für den Dienst von ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen dar. Grundsätzlich gelten für alle Feuerwehrangehörigen, ob bei Berufs-, Werk-, Freiwilligen oder hauptamtlichen Feuerwehren tätig, die selben Arbeitgeberpflichten und entsprechenden Schutzvorschriften.

Somit ist auch für den Einsatzdienst grundsätzlich eine Gefährdungsbeurteilung vorzunehmen; aufgrund der Besonderheit des Feuerwehrdienstes im Vergleich zur Industrie, wie z. B. nicht vorhersagbare Arbeitsbedingungen, Beschaffenheit des Arbeitsplatzes usw., existiert jedoch in Form der Regel GUV-R A 1 ?Grundsätze der Prävention? eine gewisse ?Erleichterung?: Wenn nach den existierenden Feuerwehrdienstvorschriften gearbeitet wird und die darin vorgeschriebenen Sicherheitsvorschriften eingehalten werden, wird davon ausgegangen, dass der Pflicht zur Gefährdungsbeurteilung nachgekommen wurde (letzteres bezeichnet man auch mit ?Auslösen einer Vermutungswirkung?). Für Einsatzarten oder ?lagen bzw. Gefährdungen, für die jedoch keine entsprechenden Feuerwehrdienstvorschriften existieren, muss dennoch eine Gefährdungsbeurteilung angepasst an den Einzelfall erstellt werden, um den gesetzlichen Vorschriften Genüge zu tun.

Eine Möglichkeit, diese Gefährdungsbeurteilungen praxisnah, sinnvoll und dynamisch angepasst umzusetzen, könnte die Adressierung dieser Aufgabe an den sog. Sicherheitsassistent sein. Im Rahmen einer Abschlussarbeit am Lehrstuhl ?Methoden der Sicherheitstechnik/Unfallforschung? in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr Wuppertal erarbeitete Ing. Adrian Ridder, B.Sc., eine Möglichkeit zur Umsetzung dieses ursprünglich US-amerikanischen Konzeptes in Deutschland. Bevor Hr. Ridder diese Idee detailliert vorstellte, nahm Ltd. BD Dipl.-Chem. Siegfried Brütsch zu diesem Modell aus Sicht eines Amtsleiters Stellung.

Als Einleitung seines Vortrages nutzte Herr Brütsch ein auch in besagter Abschlussarbeit verwendetes Zitat von Clausewitz:

?Es ist ein Grundsatz, bei allen zweifelhaften Fällen bei seiner Meinung zu beharren und nicht eher zu weichen, bis eine klare Überzeugung dazu zwingt.?

Im weiteren Verlauf seines Referates stellte Hr. Brütsch dann dar, wie sein oben genannter Clausewitz ?ins Wanken? geraten sei, je mehr er sich mit der Idee des Sicherheitsassistenten befasste; die möglichen Vorteile dieser Funktion seien überzeugend. So sieht Hr. Brütsch die wichtigste Funktion des Sicherheitsassistenten in der Unterstützung des Einsatzleiters getreu dem altbekannten Prinzip ?Vier Augen sehen mehr als zwei?. Außerdem werde so eine Arbeitsteilung und die Schaffung von Arbeitsschwerpunkten ermöglicht, wodurch der Einsatzerfolg besser erreicht werden könne unter gleichzeitiger Verbesserung der ?Einsatzsicherheit?. Somit sieht Hr. Brütsch den Sicherheitsassistent als einen möglichen Schritt auf dem Weg zur Verbesserung der Sicherheit, wie er den Feuerwehren als ?lernenden Organisationen? gut anstünde.

Die Reihe der Impulsvorträge beendete Adrian Ridder mit einer komprimierten Vorstellung seiner Untersuchung über die Funktion des ?Sicherheitsassistenten?. Hr. Ridder führte aus, dass der Sicherheitsassistent in den USA unter der Bezeichnung ?Safety Officer? schon seit 1977 genormt und inzwischen weit verbreitet sei. Aber auch in Ländern wie dem Vereinigten Königreich, Frankreich oder der Schweiz seien entsprechende Konzepte inzwischen etabliert.

Die Aufgaben des Sicherheitsassistent beschrieb Hr. Ridder wie folgt: ?Diese Funktion achte auf sicheres Arbeiten an der Einsatzstelle und unterstützt als ein weiteres ?Paar Augen und Ohren? den Einsatzleiter. Stellt sie Gefährdungen oder unsichere Arbeitsweisen fest, schlägt sie dem Einsatzleiter Maßnahmen zur Gewährleistung der Einsatzsicherheit vor.? Als ?Besonderheit? besitze der Sicherheitsassistent die Befugnis zum Führungsdurchgriff bei Gefahr in Verzug; d. h. er dürfe, wenn eine Gefährdung nicht anders abzuwenden ist, als ultima ratio Führungsebenen überspringen und z. B. über den Kopf des zuständigen Gruppenführers hinweg einen Trupp aus einem gefährlichen Bereich zurückziehen. Hr. Ridder betonte jedoch, dass dies die Ausnahme bleiben müsse.

Der Sicherheitsassistent würde den laut Hr. Ridder bisher vielerorts weitgehend vernachlässigten Bereich der ?Arbeitssicherheit im Einsatzdienst? bzw. der ?Einsatzsicherheit? abdecken und sich somit gut mit den bereits vorhandenen Funktionen des Sicherheitsbeauftragten und der Fachkraft für Arbeitssicherheit ergänzen.

Die Notwendigkeit eines Sicherheitsassistenten begründete Hr. Ridder v.a. mit der Überlastung der Führungskräfte in ?typischen? Einsatzsituationen der Feuerwehr.

Nach dem offiziellen Ende des Forums formierten sich noch zahlreiche Gesprächsgruppen und führten ihre Fachdiskussionen bei von der Feuerwehr Wuppertal bereitgestellten Getränken fort.

Das vollständige Fazit des 2. Brennpunkts (Download als Pdf)